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Interim Manager: Mit Kopf, Hand und Herz

Die Definition von Interim Management lautet: Umsetzung komplexer Projekte – Rasche, pragmatische und ergebnisorientierte Lösung bei zeitkritischen Aufgaben. Und wie steht es mit den Emotionen?

Fast jedes Unternehmen gerät irgendwann in Situationen, in denen es unbekanntes Terrain betritt oder Projekte angehen muss, für die intern die notwendige Fach- oder Führungskompetenz fehlt. In solchen Momenten braucht es Führung auf Zeit – erfahrene Interim Manager, die Stabilität schaffen, Orientierung geben und Ergebnisse liefern.

Interim Manager sind nicht nur Macher, sondern oft auch Brückenbauer. Sie bringen Struktur in komplexe Situationen, treffen rasch Entscheidungen und sichern die Umsetzung. Doch was häufig übersehen wird: Wirklich erfolgreiche Interim Manager handeln nicht nur mit dem Kopf und der Hand, sondern auch mit dem Herzen.

Führung mit Gefühl – Widerspruch oder Erfolgsfaktor?

Kann ein Interim Manager Gefühle zeigen und dennoch souverän führen? Die Antwort lautet eindeutig: ja. Emotionale Intelligenz ist kein Widerspruch zu professioneller Distanz – im Gegenteil. Gerade in Phasen des Wandels oder der Unsicherheit ist sie der Schlüssel zum Erfolg.

Zwei Beispiele verdeutlichen das Zusammenspiel von Rationalität und Emotion in der Führungspraxis:

Beispiel 1: Wenn Verantwortung und Gefühl zusammentreffen

In der Theorie ist klar geregelt, wer was entscheidet: Der Verwaltungsrat ist für die Unternehmensstrategie verantwortlich, die Geschäftsleitung für deren operative Umsetzung. Doch die Praxis ist komplexer – und emotionaler. Was empfindet ein Verwaltungsrat, wenn die Geschäftsleitung zum ersten Mal von der strategischen Ausrichtung abweicht? Soll er eingreifen oder abwarten? Und was, wenn dies ein zweites Mal geschieht?

Ein reales Beispiel: Ein Verwaltungsratspräsident eines grossen Unternehmens hatte einen neuen CEO eingesetzt. Drei Jahre später wurde dieser entlassen – und der Präsident beauftragte einen Interim CEO, weil die Beziehung zwischen CEO und Geschäftsleitung aus dem Gleichgewicht geraten war, das Vertrauen verloren ging.

Nach aussen klingt die Trennung des alten CEOs nüchtern: „Wir hatten unterschiedliche Ansichten zur strategischen und organisatorischen Weiterentwicklung.“ Doch hinter dieser Formulierung steht eine klare emotionale Entscheidung – getroffen mit Erfahrung, Verantwortung und Intuition. Der neue Interim CEO konnte in der Folge das verloren gegangene Vertrauen der Belegschaft wieder aufbauen und die Projekte wurden rasch und erfolgreich umgesetzt.

Beispiel 2: Wertschätzung in einer digitalen Welt

In Zeiten digitaler Kontakte und virtueller Meetings geht oft verloren, was Führung eigentlich menschlich macht: die emotionale Tiefe und zwischenmenschliche Qualität.

Der ehemalige Präsident des Dachverbands Schweizer Interim Manager, René Bollier, beschreibt das treffend: „Die emotionale Tiefe und die Qualität einer menschlichen Interaktion können nicht durch das Scannen des QR-Codes auf einer Visitenkarte ersetzt werden.“ 

In der westlichen Kultur ist körperliche Nähe oft tabu geworden – Berührung gilt als unangemessen. In Asien hingegen symbolisiert eine leichte Berührung des Arms höchste Wertschätzung. Bollier sieht darin ein Vorbild: „Die alte asiatische Geste des Austausches der Visitenkarte hat für mich Vorbildcharakter: Aufmerksamkeit und Wertschätzung. In diesem kurzen Moment nehme ich etwas vom Gegenüber wahr.“

Fazit: Führung ist mehr als Umsetzung – sie ist Beziehung

Erfolgreiche Interim Manager vereinen Kopf, Herz und Hand:

  • Kopf für Analyse, Strategie und Entscheidungsstärke
  • Hand für Umsetzung, Geschwindigkeit und Pragmatismus
  • Herz für Empathie, Kommunikation und Vertrauen

Denn Führung ohne Gefühl bleibt mechanisch – und Veränderung ohne Beziehung bleibt folgenlos. Interim Management ist dann am wirksamsten, wenn Fachkompetenz auf Menschlichkeit trifft.

Beitrag von Paul Beerli, DSIM-Präsident 2009-2013


DSIM Pressestelle

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Der Dachverband Schweizer Interim Manager (DSIM) vertritt die Interessen der Interim Manager.